Was wären wir ohne IT? 2058 allenfalls nicht mehr lebensfähig

Seit rund zwölf Jahren darf ich Digicomp zuerst als Teilnehmer und seit fast 10 Jahren als Trainer begleiten. So freute es mich, als ich die Anfrage erhielt, zum 40igsten Geburtstag von Digicomp diesen Beitrag verfassen zu dürfen, der da hiess: Rinon, wirf einen Blick in die Zukunft. Wie sieht die IT in 40 Jahren aus?

«Wir überschätzen immer die Veränderungen, die in den nächsten zwei Jahren eintreten werden und unterschätzen diejenigen der nächsten zehn Jahre.» – Bill Gates

Dieser Spruch von Bill Gates sollte sich immer wieder bewahrheiten. Um 40 Jahre in die Zukunft zu blicken, habe ich mal die Glaskugel ausgepackt, entstaubt und einen Zauberwürfel zu Rate genommen. Spass bei Seite, jetzt geht’s ans Eingemachte.

Cloudokalypse Now

Die Cloud ermöglicht es Firmen, ein noch nie dagewesenes Potenzial an Diensten auszuschöpfen, die wie der Strom aus einer Steckdose kommt. Die Komplexität dieser Dienste würde vor allem die Fähigkeiten kleiner Firmen übersteigen, die nie ein solches IT-Budget aufbringen könnten, die Dienste selbst aufzubauen.

Was im Moment jedoch stattfindet, ist eine Konzentration auf wenige Marktplayer. Als grosser Cloud-Befürworter wird man von vielen Kunden darauf angesprochen: «Was wäre, wenn?» In 40 Jahren könnte die Komplexität der Dienste und der Betrieb mancher Dienste an eine künstliche Intelligence ausgelagert werden, weil Menschen dieser nicht mehr gewachsen sind. Durch einen Systemfehler könnte es zu einem kompletten Cloud-Blackout kommen, der uns wieder in die Steinzeit zurückführt 😉

Die Arbeitswelt

Artifical Intelligence (AI) und Internet of Things (IoT) könnten in den nächsten Jahren zu explodierenden Arbeitslosenquoten führen. Wenn man das Problem nicht jetzt schon anpackt! In 40 Jahren gibt es wahrscheinlich keine Arbeitsstellen mehr im Transportbereich. Das heisst, Lastwagen, öffentliche Verkehrsmittel werden vollautomatisiert betrieben – rund um die Uhr. Sogar der Flugverkehr wird automatisiert von statten gehen. Flugobjekte mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit für den Personentransfer sind denkbar. Vielleicht hört ja die Fortbewegung komplett auf. Es gibt transplantierbare holographische Linsen und wir treffen uns gar nicht mehr an der frischen Luft, sondern nur noch virtuell.

Einkaufen in der Zukunft

Es gibt ja schon seit Jahren die Versuche des intelligenten Kühlschranks, der automatisch bestellt, Stichwort «Future-House». Der momentane Trend im IoT-Bereich und die Drohnentechnologie werden dies wahrscheinlich in naher Zukunft ermöglichen. Es wird jedoch eine Weile dauern, bis alle Wohnungen mit kleinen Heliports ausgerüstet sind.

Kleider anprobieren, gehört künftig der Vergangenheit an. Es wird mit einem 3D-Scanner der Körper remote vermessen, man sieht auf einem projizierten Bild, wie das Stück der Begierde an einem aussieht. Man kann Anpassungen vornehmen und fünf Minuten später kommt das neue Kleidungsstück aus dem heimischen Kleiderdrucker oder einer Druckerei ums Eck.

Insekten haben in den Supermärkten ja bereits ein Zuhause gefunden. Allenfalls löst das unser Ressourcenproblem. Falls nicht, kommt frisch aus dem Kühlschrank eine Pampe mit den wichtigsten Nährstoffen «alla Matrix». Was für ein künstlicher Geschmack darf es heute sein? Steak?

Smartphones und Apps

Smartphones in der heutigen Form sind nicht mehr existent. Entweder sind sie flexibel in den Kleidern integriert oder direkt verpflanzt. Das Energieproblem könnte man durch Abzapfen der Energie vom eigenen Körper lösen. Smartphone-Apps im heutigen Sinne werden nicht mehr existieren. Es wird alles per Gestik, Sprachbefehle oder Standortbestimmung gesteuert. Man stelle sich vor, man lauft an der Digicomp vorbei und im Holo-Auge wird ein für Sie angepasster Kurs beworben 😊

Internet of Things

Dass jedes Gerät mit einem anderen kommuniziert, ist keiner Diskussion mehr Wert. Wie Farbfernsehen ist das heute eine Selbstverständlichkeit. Im Moment werden viele Lösungen gesucht, wie IoT-Geräte überall ihre Daten versenden. Das LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) ist ein Ansatz. Allenfalls könnte es jedoch sein, dass man sich auf einen Standard einigt, dass z.B. jedes IoT-Gerät selbst ein Knotenpunkt ist. Sozusagen ein IoT-Peer-To-Peer Network. Da sogar die Kaffee-Tasse, der Löffel und jedes 3D-gedruckte Kleidungsstück einen Chip beinhaltet, sollte der Empfang gewährleistet sein.

Sie sind in eine neue Wohnung gezogen und Ihnen fehlt Salz? Kein Problem, Ihr Küchenschrank fragt es beim Nachbarschrank an. Dieser ist so voreingestellt, dass er höflich sein soll und Ihnen was abgibt, um die künstliche «Pampe» mit Steak-Geschmack herzustellen.

Abhängigkeit von Menschen

Das Smartphone-Interface funktioniert mal nicht mehr? Wir sind verloren. Wir finden nicht mal mehr unser Wohnzimmer. Eine Problematik des Fortschritts könnte es sein, dass wir uns extrem auf die Helfer verlassen. Autofahren, das können nur noch die «ganz» Alten. Es lernt niemand mehr Auto-Fahren. Kochen, das war gestern. Alle Aufgaben, die AI und Sensoren lösen können, werden uns abgenommen. Somit sind auch die Arbeitsstellen, die diese früher erledigt haben, obsolet.

Die Zukunft des Internets

Unlimitiert surfen, überall, jederzeit. Hmm, vielleicht nicht mehr. Es gibt verschiedene Arten des Internets. Ein durch den Staat kontrolliertes Netz und ein richtiges «Darknet» – den Wilden Westen des Internets. Möchte man werbefrei surfen, so muss man eine Extragebühr für das «Clean-Net» zahlen. Ansonsten taucht auf dem geistigen Auge immer wieder ein Pop-Up mit Werbung auf.

Ausbildung und IT

Ich gehe davon aus, dass Ausbildung immer wichtiger werden wird. Da «einfachere» Aufgaben von Maschinen übernommen werden, muss man sich auf die Ausführung komplexerer Aufgaben konzentrieren. Auch gutes Vermittlungsgeschick wird gefragt werden. Der typische System-Engineer/Consultant könnte der Vergangenheit angehören. Es werden in den Firmen nur noch Bindeglieder zwischen den einzelnen Cloud-Anbietern und der internen Systeme gebraucht. Menschen mit breitem und trotzdem tiefem Know-how in bestimmten Bereichen werden gefragt sein.


So der Inhalt der Glaskugel ist vom Schütteln schon komplett schaumig. Es ist nichts mehr zu erkennen. Mal schauen, ob sie Recht hatte.

40 Jahre Digicomp: 1978–2018

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Rinon Belegu

Bereits während seiner Ausbildung zum Informatiker Systemtechnik hat sich Rinon Belegu konsequent mit den neusten Technologien von Microsoft und VEEAM auseinandergesetzt und sich unter anderem als einer der ersten Personen in der Schweiz als MCSE 2012 Private Cloud zertifiziert. Seine Spezialität sind Virtualisierung und System Center, wobei er auch auf die Backup-Problematik stiess. Hier hat er bereits einige Projekte mit VEEAM umgesetzt. Sein umfangreiches Wissen gibt er heute einerseits in verschiedensten Kundenprojekten, andererseits als MCT (Microsoft), VMCT (Veeam) und als erster AWS Certified Instructor weiter.

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