Projektmanagement – die letzten Jahre


«Das Leben besteht hauptsächlich darin, dass man mit dem Unvorhergesehenen fertig werden muss.»

John Steinbeck


Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums von Digicomp möchte ich Ihnen in diesem Beitrag einen kurzen Abriss zur Geschichte des Projektmanagements geben. Sie werden staunen: Projektmanagement war schon bei den Baumeistern der Ägypter ca. 2500 v.Chr. bekannt.

Projektmanagement im Alten Ägypten
Projektmanagement im Alten Ägypten

Eine kleine Geschichte des Projektmanagements

Der Bau der Pyramiden war strukturiert und terminlich exakt geplant. Ressourcen waren zugewiesen und es existierte bereits ein analytisches Projekt-Controlling. Die Führung im Projekt erfolgte tendenziell hierarchisch und selbststeuernde und selbstverantwortliche Teams waren noch nicht bekannt. Das Wissen über die strukturierte Zusammenarbeit wurde weitergegeben und etwas später, ca. 200 v. Chr. beim Bau der Chinesischen Mauer, erneut eingesetzt. Anschliessend ruhte die Weiterentwicklung etwas.

Für die Visualisierung der Terminplanung lieferte Henry Gantt erstmals 1910 einen Vorschlag und setzte dieses Chart (Gantt-Chart) bei der Planung und dem Bau des Hoover Dam im Jahr 1935 erfolgreich ein. Auch bei der Terminplanung für den Bau des Empire State Building wurde bereits mit Terminplänen in dieser Form gearbeitet.

Projektplan Empire State Building
Projektplan Empire State Building

Der erste strukturierte Einsatz von Techniken des Projektmanagements in der Neuzeit erfolgte im Rahmen des Manhattan-Projekts (Tarnprojekt zur Entwicklung und zum Bau der amerikanischen Atombombe).

Etwa im Jahre 1954 wurde von dem amerikanischen General Bernard Schriever der Begriff Projektmanagement offiziell geprägt.

Bereits im Jahr 1957 kam die Methode «Kritischer Pfad» auf.

Ab dem Jahr 1962 wurde ein Projekt mit dem Projekt-Strukturplan (PSP) in kleinere, überschaubare Teile zerlegt.

Die beiden «grossen» Projektmanagement-Organisationen (Project Management Institute und International Project Management Association) wurden 1969 bzw. 1965 gegründet.

Die zurzeit viel und intensiv diskutierte Methode von «Earned Value» wurde 1988 veröffentlicht, um aussagekräftige Kennzahlen für Kosten und Termine in Projekten zu liefern.


Definition der Arbeitsteilung

Die, die können, tun.

Die, die nicht können, schulen.

Die, die nicht schulen können, planen.

Die, die nicht schulen oder planen können, überwachen.

Die, die nicht überwachen können, erarbeiten Regeln für das Projektmanagement.


Im Jahr 2001 gab es eine signifikante Ergänzung für die Projektarbeit. Das Agile Manifest beschreit die Werte agiler Softwareentwicklung.

Agile Manifesto
Quelle: http://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html

Im gleichen Jahr veröffentlichten Schwaber/Beedle das erste Buch über Scrum (Agile Software Development with Scrum).

In der heutigen Praxis ist das methodische Wissen um Projektmanagement weitverbreitet. Somit wird nun aktiv nach einer entsprechenden Softwareunterstützung gesucht. Leider glauben viele Unternehmen, dass der Einsatz einer PM-Software dazu führt, dass in diesem Unternehmen dann strukturiertes Projektmanagement gemacht wird. Welche Software auch immer ausgewählt und eingesetzt wird, sie wird nicht die eigentliche Herausforderung lösen.

Weiterhin etabliert sich die Erkenntnis, dass nicht nur das methodische Rüstzeug und eine passende Software den Erfolg im Projektmanagement sicherstellen. Es erfolgt nun Teamarbeit und somit ergeben sich zahlreiche Herausforderungen, auch im Projektmanagement, hinsichtlich Führung, Konfliktbewältigung, Motivation, Collaboration, Delegation, Selbstverantwortung und vielen weiteren Themenbereichen.

Rollenbezogene Sichtweisen

  • Projektleiter: Das Glas ist halb voll.
  • Lenkungsausschuss: Das Glas ist halb leer.
  • Projektcontroller: Das Glas ist doppelt so gross wie es sein sollte.
  • Projektrisikomanager: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand verdurstet?
  • Projektqualitätsmanager: Sind alle Gläser gleich gross?
  • Projektassistent: Ich hol’ dann mal ne Flasche Wasser.

Ideen und Konzepte von «Management 3.0» versuchen konkrete Hilfestellung in diesem Kontext zu geben. Zu nennen sind unter anderem Design Thinking, Dragon Dreaming, Innovationdigging, Holocracy, …

Trends im Projektmanagement

Neben den grundlegenden Konzepten zeichnen sich zurzeit die folgenden zusätzlichen Trends im Bereich Projektmanagement ab:

  • Hybrides Projektmanagement / Bimodales Projektmanagement
  • Digitale Transformation und Agilität
  • Servant Leadership
  • Strategisches Portfoliomanagement
  • Skillmanagement
  • Key Performance Indicators für den Bereich Project Controlling
  • Business Intelligence
  • Augmented Reality

Fazit

Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass das Thema Projektmanagement zeitlich gesehen durchaus lange bekannt und bewährt ist. Jedoch lassen sich mit einem klassischen Projektmanagement in erster Linie einfache und komplizierte Aufgabenstellung erfolgreich bearbeiten. Sobald es in komplexe Aufgabenstellungen hineingeht, sind zunehmend agile Verfahren erforderlich. Der Fokus in der Projektarbeit verschiebt sich von den rein strukturellen Themen hin zu einem Mensch-Mitarbeiter-orientierten Verfahren, bei dem kulturelle und soziale Aspekt eine zunehmend grössere Bedeutung einnehmen.

 


«Projektmanager sind Leute, die denken, dass 9 Frauen ein Kind in einem Monat zur Welt bringen können.»

Unbekannt


Bleiben Sie interessiert.
Ihr Martin Bialas

Projektmanagement-Seminare bei Digicomp

Digicomp bietet Ihnen ein umfangreiches Portfolio an Projektmanagement-Seminaren an. Trainieren Sie in unseren Kursen alle am Markt gängigen Projektmanagement-Standards und -Methoden. Unabhängig von der Praxiserfahrung ist für jeden etwas dabei. Neben den Vorbereitungsseminaren zu den einzelnen Projektmanagement-Zertifizierungen bietet Ihnen Digicomp zwei Lehrgänge im Bereich Project Management mit anerkannten Abschlüssen: eidgenössisches Diplom und Certificate of Advanced Studies (CAS). Zur Trainings-Übersicht

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Martin Bialas

Martin Bialas, Geschäftsführer der diventis GmbH, Arlesheim (BL), hat über 25 Jahre Praxiserfahrung im Bereich Projektmanagement. Mit Leidenschaft und Herzblut beschäftigt er sich mit der Integration von Projektmanagement Methodik und Softwareunterstützung in Unternehmen unterschiedlicher Grösse. Er begleitet Projektbeteiligte sowohl auf der strukturellen als auch auf der kulturellen, verhaltensorientierten Ebene. Er ist NLP Master und Mediator. Martin Bialas ist IPMA-zertifizierter «Programme und Portfolio Management Consultant (PPMC)», Fachgruppenleiter der Fachgruppe «Software für PM-Aufgaben» sowie Assessor für den Deutschen Project Excellence Award 2016 der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. und Assessor für IPMA Delta.

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